. : p h i l o s o p h i e : .


Das Kleine an der Leine

Ich habe neulich eine höchst interessante Sendung im Fernsehn verfolgt. Eine Gruppe Wissenschaftler verpasste gestrandeten Walen komplizierte Peilsender, bevor sie sie wieder in den Atlantischen Ozean entließen.

Die Peilsender gaben kontinuierlich Signale ab, aus denen siche der Zug der Wale genauestens verfolgen liesß. Die Wissenschafftler wussten, wie tief die Tiere tauchten, wann sie zum Fressen wieder auftauchen, wo sie überwinterten und wohin sie wanderten, um ihre Jungen zu gebären.

Diese Leute wussten besser über das Kommen und Gehen jhener Wale Bescheid als ich über meine eigenen Kinder. Oh, gewiss, die jungen Leute von heute verfügen über Anrufbeantworter, Voice Mail und autmische Rückruffunktion, verweigern aber jegliche Auskunft darüber, wo, wie und mit wem sie ihre Zeit verbringen.

Mit einem "Hallo, ich bin im Moment nicht anwesend, aber...", ist es ja nun wirklich nicht getan.

Da frage ich mich ernsthaft, was so schlimm daran wäre, wenn man menschliche Wesen mit Funkhalsbändern versehen würde? Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Eingriff in die Privatsphäre! Die ist abgeschafft, seit in Umkleidekabinen versteckte Kameras installiert wurden.

Wir wissen, wo Bären ihren Winterschlaf halten, wie weit Falken fliegen, wie schnell Geparden rennen, wie hoch eineGergziege klettert und wo Schuldkröten sich tummeln.

Fragt man uns nach unseren Sprösslingen, müssen wir kläglich bekennen: "Ich habe das Kind seit Donnerstag nicht mehr gesehen."

Und Kinder sidn gar nicht einfach aufzuspüren. Ich habe meine schon an so abgelegenen Stellen aufgestöbert, dass ich versucht war, sie mit einem Betäubungsgewehr niederzustrecken, um sie nach Hause zu schaffen und ganz von vorne mit der Erziehung anzufangen.

Wir hatten einmal einen kräftigen Golden Retriever, der es nur mit unserer Hilfe durch die Hundetür schaffte. Einer unserer halbwüchsigen Söhne hatte eines Abends seinen Hausschlüssel vergessen und zwängte sich einfach durch die Hundeklappe ins Haus. Hätten wir eine Peilung von ihm gehabt, hätten wir nicht die Polizei gerufen.

Jeden Tag werden neue Studien und Umfragen über das Verhalten der menschlichen Spezies veröffentlicht. Wir kennen ihre Familienstruktur, ihre Ernährungsgewohnheiten und die Bevölerungs-Zuwachsrate.

Was mir nicht untersucht haben, sind die Migrationgewohnheiten unserer Kinder. Wenn sie uns sagen, sie gingen zu Freunden, tun sie das wirklich? Wenn sie uns bei den Tränen ihrer Mutter schwören, dass sie gerade auf dem Heimweg von einer Party seien, stimmt das? Man könnte meinen, Kinder sind zu groß um sie aus den Augen zu verlieren.

Das hat man von einem 20 Meter langen Wal auch gedacht.

Autor: Erma Bombeck - eingereicht am: 07.07.2001 von: Sven Schaffranneck



 
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